Schweißen von Aluminium
Das Schweißen von Aluminium gehört zu den weltweit anspruchsvollsten Schweißverfahren. Dieser beliebte Werkstoff überzeugt durch sein geringes Gewicht, seine Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit, stellt jedoch hohe Anforderungen an Technik, Vorbereitung und Materialauswahl. In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die positiven und negativen Eigenschaften von Aluminium und geben Hinweise dazu, was beim Aluminiumschweißen zu beachten ist.
Aluminium gibt es in vielen Varianten für unterschiedlichste Anwendungen, jede mit ihren eigenen Eigenschaften. Sie lassen sich in mehrere Hauptgruppen unterteilen:
1xxx Serie, Reinaluminium
✅Gute Schweißbarkeit
Geringe Festigkeit, hohe Korrosionsbeständigkeit.
2xxx Serie, Aluminium-Kupfer-Legierungen Al-Cu-(Mg,Pb)
❌Nicht oder nur schwer schweißbar.
Sehr anfällig für Wärmerisse.
3xxx Serie, Aluminium-Mangan-Legierungen Al-Mn-(Mg)
✅Gute Schweißbarkeit
Geringe Festigkeit, hohe Korrosionsbeständigkeit, gute Umformbarkeit, auch für höhere Temperaturen geeignet.
4xxx Serie, Aluminium-Silizium-Legierungen AL-Si
✅Gute Schweißbarkeit
Niedriger Schmelzpunkt und dünnflüssig.
5xxx Serie: Aluminium-Magnesium Al-Mg-(Mn):
✅Hervorragende Schweißbarkeit
Gut geeignet für Schiffbau und Transport.
6xxx Serie: Aluminium-Al-Mg-Si
✅Gute Schweißbarkeit
Geeignet für die Extrusion, weit verbreitet in der Automobilindustrie und bei Profilen.
7xxxx Serie: Aluminum-Zinck AL-Zn-(Mg, Cu):
⚠️Manche Sorten sind recht gut bis sehr gut schweißbar. Andere sind weniger gut oder gar nicht schweißbar.
0,8 bis 12,0 % Zn, hohe bis sehr hohe Festigkeit.
Verwendung: Flugzeugbau, Luft- und Raumfahrt, Sportgeräte, Gehäuse für Mobiltelefone und Uhren.
Einige Legierungen sind nicht lichtbogenschweißbar.
Wärmeleitung beim Aluminiumschweißen: eine Frage des Gleichgewichts
Aluminium ist für seine hohe Wärmeleitfähigkeit bekannt. Dies ist einer der Gründe für seine weitverbreitete Verwendung in Bereichen wie der Herstellung von Kühlkörpern, Pfannen und Wärmetauschern sowie in der Luft- und Raumfahrt. Die hohe Wärmeleitfähigkeit des Materials hat jedoch auch Nachteile, die das Schweißen zu einer besonderen Herausforderung machen. Beim Schweißbeginn entweicht die Wärme schnell aus dem Schweißbereich. Die Folge sind ein langsames Aufheizen, ein nur schwer zu bildendes Schmelzbad und mitunter ein instabiler Lichtbogen.
Sobald das Werkstück jedoch die gewünschte Temperatur erreicht hat, ändert sich alles. Die Wärme konzentriert sich nun stärker um das Schmelzbad, das Schmelzbad fließt leichter und kann sich plötzlich sogar zu schnell bewegen. Mögliche Folgen sind eine zu breite, durchhängende oder gar durchgebrannte Schweißnaht.
Für eine schöne und effektive Aluminiumschweißung ist daher das richtige Gleichgewicht entscheidend: ausreichend Energie für die Bildung eines Schmelzbads, aber nicht zu viel, sobald das Material die gewünschte Temperatur erreicht hat. Stromstärke und Schweißgeschwindigkeit sind daher unerlässlich. Moderne Schweißgeräte mit erweiterten Einstellungsmöglichkeiten können dabei helfen, ebenso wie ein Fußpedal beim WIG-Schweißen. Wer das Wärmemanagement beherrscht, erzielt eine perfekte Schweißnaht.
Aluminiumoxide
Aluminium reagiert stark mit Sauerstoff. Sobald es mit Sauerstoff in Kontakt kommt – was fast unmittelbar nach der Herstellung geschieht –, reagiert es sofort und bildet eine Oxidschicht. Diese Schicht aus Aluminiumoxid ist hart und dünn. Diese Oxidschicht stellt die größte Herausforderung beim Schweißen von Aluminium dar. Sie schmilzt erst bei etwa 2.050 °C, Aluminium selbst hingegen bereits bei etwa 660 °C. Aufgrund dieses großen Unterschieds der Schmelzpunkte kann dies beim Schweißen zu Problemen führen. Die Oxidschicht bleibt intakt, während das darunterliegende Aluminium bereits geschmolzen ist. Wird die Oxidschicht nicht entfernt oder aufgebrochen, können Poren oder Einschlüsse in der Schweißnaht entstehen.
Daher ist Folgendes wichtig:
Entfernen Sie die Oxidschicht unmittelbar vor dem Schweißen mit einer Edelstahl-Drahtbürste, einem Schaber oder einem Schneidwerkzeug.
Entfernen Sie Fett und Schmutz mit Aceton.
MIG-Schweißen
Das MIG-Schweißen ist das Verfahren der Wahl für hohe Produktivität bei Aluminium. Es eignet sich ideal für Blechdicken ab 3 mm und findet breite Anwendung in der Serienfertigung, im Schiffbau, im Transportwesen und im Schwerlastbau.
- Strom und Polarität: Geschweißt wird mit Gleichstrom (DC+).
- Schutzgas: Üblicherweise 100 % Argon. Bei dickeren Werkstoffen kann jedoch ein Argon-Helium-Gemisch (bis zu 75 % He) verwendet werden, um den Einbrand zu vertiefen. Helium erhöht die Lichtbogentemperatur, verbessert den Wärmeübergang und beeinflusst die Lichtbogeneigenschaften.
- Drahtvorschub: Aufgrund der Weichheit von Aluminium sind Push-Pull-Systeme unerlässlich, um Probleme beim Drahtvorschub zu vermeiden.
- Technik: Die Verwendung eines Impulslichtbogens reduziert Spritzer, verbessert die Kontrolle und ist besonders für dünnwandige Werkstücke geeignet.
- Schweißposition: Für optimale Ergebnisse wird häufig horizontal/von unten geschweißt.
TIG/WIG-Schweißen
Das TIG/WIG-Schweißen ist das Verfahren der Wahl für hochpräzise und ästhetisch ansprechende Aluminiumverbindungen. Es eignet sich ideal für dünnwandige Bauteile, sichtbare Bereiche, Reparaturen und Prototypenbau, wo Genauigkeit wichtiger ist als Geschwindigkeit.
- Stromstärke und Polarität: Fast immer Wechselstrom (AC). Die positive Sinuswelle (DC+) durchdringt die Oxidschicht und reinigt das Schmelzbad, während die negative Sinuswelle (DC-) für Einbrand und Wärme sorgt.
- Schutzgas: Wie beim MIG-Schweißen wird 100 % Argon oder ein Argon-Helium-Gemisch verwendet.
- Technik: Moderne WIG-Schweißgeräte bieten erweiterte Einstellmöglichkeiten wie Frequenzregelung und Balanceeinstellung, um das Verhältnis zwischen Reinigung und Einbrand zu optimieren.
- Elektrode: Wolframelektroden (rein oder legiert mit Lanthan/Zirkonium/Yttrium) werden für Stabilität beim Wechselstromschweißen verwendet.
- Schweißpositionen: WIG-Schweißen bietet in allen Schweißpositionen hervorragende Kontrolle.
Die Festigkeit und Zuverlässigkeit einer Schweißverbindung hängen von mehreren Faktoren ab. Diese Faktoren beeinflussen sowohl die Schweißnaht selbst als auch die Wärmeeinflusszone (WEZ) um die Schweißnaht herum.
• Die Erfahrung des Schweißers
• Das angewandte Schweißverfahren
• Der Zustand des Werkstückmaterials
• Die Vorbereitung der Schweißnaht
• Die Art des Schweißzusatzwerkstoffs
• Die Dicke des Werkstückmaterials
Beim Schweißen wird das Material in der Nähe der Schweißnaht kurz- oder langfristig erhitzt, wobei die Temperaturen von Raumtemperatur bis zum Schmelzpunkt reichen.
Diese Temperaturschwankungen verursachen:
• Strukturveränderungen im Grundwerkstoff
• Abnahme von Festigkeit und Duktilität in der Wärmeeinflusszone (WEZ)
• Spannungen und Verformungen
Aluminium besitzt mehrere einzigartige Eigenschaften, die die WEZ und die Schweißnaht maßgeblich beeinflussen:
Aluminiumlegierungen (insbesondere 6xxx und 7xxx) beziehen ihre Festigkeit aus verstärkenden Partikeln (Ausscheidungen). Beim Schweißen lösen sich diese Partikel aufgrund der hohen Temperatur auf, wodurch die WEZ an Festigkeit verliert, ohne dass dies an der Oberfläche sichtbar ist. Dies ist der Hauptgrund, warum eine Aluminiumschweißnaht oft schwächer ist als der Grundwerkstoff, selbst wenn die Schweißnaht selbst perfekt ist.
Im Gegensatz zu Stahl bildet Aluminium beim Abkühlen keine harten Phasen (wie Martensit). Das bedeutet, dass schnelles Abkühlen weder zu Versprödung führt noch die Festigkeit erhöht. Im Gegenteil, die Festigkeit nimmt sogar ab.
In vielen Fällen ist die Festigkeit der Schweißverbindung daher geringer als die des Grundwerkstoffs. Durch Erhöhung der Schweißnahtdicke und Sicherstellung eines ausreichenden Einbrands lässt sich jedoch in der Praxis oft eine mit dem Grundwerkstoff vergleichbare Festigkeit erzielen. Die Gesamtfestigkeit der Verbindung kann zudem durch die sorgfältige Auswahl eines höherfesten Schweißzusatzwerkstoffs erhöht werden.
Beispielsweise kann bei Aluminiumlegierungen der 5xxx-Serie ein Schweißzusatzwerkstoff mit hohem Magnesiumgehalt die Festigkeit verbessern.
Geeignete Werkstoffreihen:
1xxx/3xxx/4xxx/6xxx Guss- und Knetlegierungen
Eigenschaften
Geringe Wärmerissneigung, gute Fließfähigkeit
Typische Anwendung
Automobilindustrie, Maschinenbau, Reparaturen
Geeignete Werkstoffe
Hochsiliziumhaltige Gusslegierungen
Eigenschaften
Sehr hohe Fließfähigkeit, ideal für Gussteile
Typische Anwendungen
Motorblöcke, Getriebeteile, Hochdruckguss
Geeignete Werkstoffreihen
5xxx Legierungen
Eigenschaften
Gute Korrosionsbeständigkeit in Salzwasser
Typische Anwendungen
Tanks, Chemie, Transportsektor
Geeignete Werkstoffreihen:
5xxx/7xxx Legierungen
Eigenschaften
Gute Korrosionsbeständigkeit in Salzwasser
Typische Anwendung
Tanks, chemische Industrie, Transportwesen
Geeignete Werkstoffreihen:
5xxx Legierungen
Eigenschaften
Höchste Korrosionsbeständigkeit, Druckbehälter
Typische Anwendungen
Offshore, Transport, Lagertanks
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Bei der Herstellung von Aluminiumschweißdraht ist der Oberflächenzustand des Drahtes entscheidend für die Qualität der Schweißnaht. Aluminium oxidiert schnell bei Kontakt mit Sauerstoff. Diese Oxidschicht (Al₂O₃) kann zu Porosität, Einschlüssen und einer geringeren Schweißnahtqualität führen. Daher wird der Reinigung des Schweißzusatzwerkstoffs während des Herstellungsprozesses große Aufmerksamkeit gewidmet.
- Stranggießen – Aluminium wird in Stangen mit einem Durchmesser von ca. 9,5 mm gegossen.
- Abschälen – Unmittelbar nach dem Gießen wird die äußere Schicht der Stange entfernt. Dadurch werden Gussfehler, Oxide und Einschlüsse beseitigt.
- Kaltziehen auf Enddurchmesser – Der Draht wird in mehreren Schritten auf den gewünschten Durchmesser (z. B. 1,2 mm oder 1,6 mm) gezogen.
- Oberflächenbehandlung – Nach dem Ziehen wird der Draht weiterbehandelt, um eine saubere und homogene Oberfläche zu erzielen. Dies kann erfolgen durch
- Chemische Reinigung – Säuren oder Laugen lösen die Oxidschicht auf.
- Elektrolytische Reinigung – Die Drahtoberfläche wird mittels elektrischem Strom von Oxiden und Verunreinigungen befreit
- Aufspulen und Konditionieren – Der Draht wird sauber auf die gewünschte Länge geschnitten oder auf Spulen gewickelt und unter kontrollierten Bedingungen verpackt.
Üblicherweise wird der Draht direkt nach dem Stranggießen einmal geschält. Dies ist der wichtigste Schritt zur Entfernung grober Oxide und Gussfehler. Beim Ziehen bildet sich erneut eine dünne Oxidschicht. Diese ist deutlich dünner und homogener als die ursprüngliche und wird in der Regel nicht erneut geschält. Stattdessen wird eine chemische oder elektrolytische Reinigung durchgeführt. Zweimaliges Schälen ist selten, da es wirtschaftlich nicht rentabel ist. CEWELD-Aluminiumdrähte werden mindestens zweimal geschält und durchlaufen ein spezielles Ziehverfahren, um ein möglichst sauberes Schweißgut zu gewährleisten.
Das Herstellungsverfahren des Drahtes hat einen wesentlichen Einfluss auf die Verwendung von Schweißzusatzwerkstoffen:
- Geringere Porosität: Eine saubere, oxidfreie Oberfläche reduziert das Risiko von Poren in der Schweißnaht erheblich.
- Verbesserter Drahtvorschub: Eine glatte, ebene Oberfläche verringert die Reibung zwischen Brenner und Kabeln und sorgt so für einen stabileren Drahtvorschub.
- Geringere Störungen: Da weniger Späne oder Partikel freigesetzt werden, ist die Gefahr von Drahtverstopfungen oder Verstopfungen der Drahtführung geringer.
- Gleichbleibende Schweißnahtqualität: Ein sauberer, reiner Draht erzeugt einen gleichmäßigeren Lichtbogen und eine bessere Schweißnahtqualität.
| Fehler | Ursache | Vorbeugung/Behebung |
|---|---|---|
| Porosität | Verunreinigungen, Feuchtigkeit, unzureichende Schutzgasabdeckung | Gründliche Reinigung, trockene Schweißumgebung, korrekter Gasfluss |
| Wärmerisse | Falscher Schweißzusatzwerkstoff, zu hohe Hitze | Richtigen Schweißzusatzwerkstoff wählen, Wärmeeintrag kontrollieren |
| Oxideinschlüsse | Unzureichender Wechselstromausgleich oder unzureichende Reinigung | Mechanisches Bürsten, korrekte Wechselstromeinstellung |
| Verzug | Hohe Wärmeausdehnung, falsche Einspannung | Heftschweißen, falsche Einspannung, symmetrisches Schweißen |
| Mangelhafter Einbrand | Zu niedriger Strom, zu hohe Schweißgeschwindigkeit, Oxidschicht | Höherer Strom, Entfernung der Oxidschicht |
| Schweißspritzer (MIG) | Falsches Spannungs-/Drahtvorschubverhältnis | Schweißparameter optimieren |
- Arbeiten Sie in einer zugfreien, trockenen Umgebung.
- Verwenden Sie kurze Schlauchleitungen mit weiten Bögen oder Schub-Zug-Systeme
- Halten Sie die Füllmaterialien trocken und sauber und vermeiden Sie den Kontakt mit bloßen Händen (Fett).
- Prüfen Sie den Gasdurchfluss, die Gasdüse auf Verunreinigungen und den Abstand der Gasdüse.
- Das Vorwärmen dickflüssigerer Materialien kann die Rissbildung verringern, vermeiden Sie jedoch Überhitzung.